Die 4 Jahreszeiten von Lo Spadino

Giovanni Paolo Castelli, gen. Lo Spadino, Allegorie des Frühlings, Sommers, Herbsts und Winters, Öl auf Leinwand, je 131 x 94 cm, je € 80.000 – 120.000

Gar nicht last season

Die Bildidee, Figuren aus Stillleben-Elementen wie Früchten oder Blumen zu schaffen, war nicht neu. Doch mit seiner Wiederaufnahme in einem opulenten barocken Stil fand der internationale Manierismus einen neuen Höhepunkt. So etwa in den Bildern der „Vier Jahreszeiten“ von Lo Spadino.

Ein Ur-Surrealist?

Von Giovanni Paolo Castelli, einem der großen Stillleben-Künstler Roms von Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts kommt die Serie Vier Jahreszeiten zur Auktion. Dem Stil des „Lo Spadino“ genannten Künstlers nach zu urteilen, entstand sie im letzten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts. Komposition, Bildidee und Ikonografie sind aber älter: Sie gehen auf den „Ur-Surrealisten“ – den gefeierten Manieristen Giuseppe Arcimboldo (1526–1593) – zurück.

Giuseppe Arcimboldos Nachfolger

In den 1560er-Jahren bekam der Mailänder Maler Arcimboldo von Kaiser Maximilian den Auftrag, aus Elementen von Stillleben eine Serie von Köpfen zu den Jahreszeiten (heute im Louvre in Paris) und den Elementen (KHM, Wien) zu fertigen – eine Idee, die Arcimboldo in seinem berühmten anthropomorphen Porträt „Rudolf II. als Vertumnus“ erneut aufgriff. Er komponierte es aus Gemüse, Früchten und Blumen.

Soweit bekannt, kam das Interesse an der alten Maltradition des Nordens um 1600 in Rom wieder auf. Es schlug sich etwa in den Werken des Florentiner Malers Francesco Zucchi (1566–1612) nieder, der auch als Meister von Hartford bekannt ist. Der Maler und Biograf Giovanni Baglione spricht ihm in seinem Werk „Le vite de’ pittori, scultori & architetti“ 1642 sogar die Urheberschaft dafür zu, Köpfe der Vier Jahreszeiten aus den ihnen typischen Früchten und Blumen zu gestalten. Zucchi könnte die Arbeiten Arcimboldos über Caravaggio kennengelernt haben, mit dem er eine Zeit lang im Studio des Cavaliere d’Arpino tätig war.

Solch anthropomorphe Kompositionen sind indes auch von anderen römischen Künstlern bekannt, etwa von Giovanni Stanchi (1608–nach 1673). In Form von Drucken haben sie möglicherweise zur Verbreitung der Idee beigetragen.

Ein Wiedererwachen des internationalen Manierismus

Andrea G. De Marchi verweist darauf, dass das Wiedererwachen der Ideen des internationalen Manierismus und deren erfolgreiche Umsetzung im barocken Stil typisch für die Zeit gewesen seien. Die herausragende bildnerische Qualität der vier Bilder Spadinos verführt zu der Annahme, dass sie als Vorbilder für die Werke anderer Künstler gedient haben.

Giovanni Paolo Castelli wurde am 8. April 1659 in Rom geboren, er verstarb um 1730. Ausgebildet wurde er von seinem älteren Bruder Bartolomeo, der sich ebenfalls auf Stillleben spezialisierte. In den Jahren 1671 bis 1674 lebte „Lo Spadino“ in der Nachbarschaft von Abraham Brueghel, bei dem er womöglich auch in die Lehre ging – schließlich übte die Flämische Malerei mit ihren Stillleben von Blumen und Früchten großen Einfluss auf ihn aus. Tatsächlich spielte Spadino keine unwesentliche Rolle bei der Entwicklung der Ideen und Techniken der zeitgenössischen niederländischen Stillleben-Maler in Rom, wie etwa Abraham Brueghels, Frans Werner Tamms, David de Konincks (der sogar im gleichen Pfarrbezirk wohnhaft war) und Christian Berentz’.

Spadinos Werk genoss auch außerhalb Roms hohe Anerkennung, wie das Inventar der Sammlung des Prinzen Giacomo Capece Zurlo aus Neapel von 1715 untermauert: Es verzeichnet nicht weniger als acht kleine Gemälde von Spadino. Weitere Werke befinden sich in der Gemäldegalerie der Kapitolonischen Museen und der Galerie Spada in Rom, im Musée Fesch in Ajaccio sowie im Palazzo Reale in Neapel.

 

 

Giovanni Paolo Castelli, Lo Spadino (1659–um 1730)
Allegorie des Frühlings, des Sommers, des Herbstes, des Winters
Öl auf Leinwand, je 131 x 94 cm
erzielter Preis € 436.956

Information: Mark MacDonnell, Experte für Alte Meister

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AUKTION

Alte Meister
17. Oktober 2017, 17 Uhr
Palais Dorotheum Wien

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