Cagnacci’s Hauptdarstellerinnen

Durch Anordnung und dramatische Lichtgebung rückte Guido Cagnacci die Heldinnen und Heiligen in seinen Arbeiten kompositorisch ins Zentrum. Nach Erfolgen bei Dorotheum Auktionen in jüngster Vergangenheit steht der Meister der Form neuerlich im Scheinwerferlicht: mit einem Bildnis Maria Magdalenas, das bei der Auktion Alte Meister am 30. April zur Versteigerung kommt.
Guido Cagnacci (1601-1663), Die büßende Maria Magdalena, Öl auf Leinwand, 96 x 75,5 cm, € 100.000 – 150.000

Guido Cagnaccis Protagonistinnen – Heldinnen, Heilige, Märtyrerinnen – sind die Hauptdarsteller in den Werken des gefeierten Meisters aus dem 17. Jahrhundert, der in Wien seine letzten Lebensjahre verbrachte: Lucrezia, Kleopatra, Magdalena, Heilige in Ekstase und große mythologische Gestalten präsentieren sich in Caravaggeskes Dunkel gehüllt – wie „Maria Magdalena“, die am 30. April im Dorotheum zur Auktion gelangt – oder in helleres venezianisches Licht getaucht, wie die im KHM befindliche „Kleopatra“.

Cagnaccis Modernität zeigt sich in seiner theatralischen Intensität, in einer unkonventionellen, sinnlichen Atmosphäre. Mit seinem Werk, in dem sich Qualität und Spiritualität vereinen, war er unter seinen Zeitgenossen eine herausragende Erscheinung.

In seinem Gemälde der „Maria Magdalena“, entstanden in den Vierzigerjahren des 17. Jahrhunderts, setzt Cagnacci auf die dramatischen Effekte des Tenebrismus: Mittels Hell- Dunkel-Malerei scheint der Künstler die Konturen aufzulösen, nur wenige Details werden durch eine hellere Linienführung hervorgehoben.

Guido Cagnacci, Tod der Kleopatra, KHM, Inv. 260 © KHM-Museumsverband

Ein zeitgenössischer Bericht lobt den 1601 geborenen Künstler mit den folgenden Worten: „Der Maler Guido Cagniazo aus Romagna, der für seine meisterhafte Verwendung der Farben geschätzt wird und derzeit in den Diensten des Kaisers steht, gilt als der Beste seiner Zunft.“ (Martinioni, in F. Sansovino, Venedig 1663).

Im Lauf seines Aufenthaltes in Venedig nahm Cagnacci zunehmend Farbe in seine Malerei auf, wie Carlo Cesare Malvasia in der Biografie Guido Renis, seines Lehrmeisters, ausführt: „mit bestimmten Blassblautönen und Blautönen, gemischt mit Farbabstufungen und Hautfarben, die sein Schüler Cagnacci vielleicht für dramatische Effekte einsetzen wollte“. (Carlo Cesare Malvasia, „Felsina Pittrice“, Bologna 1678).

Um 1659 übersiedelte Cagnacci nach Wien. Von hier schrieb er seinen ersten Brief an Francesco Gionima in Venedig und erwähnte darin „viele Bilder“, „die er für den Kaiser und den Hof“ malte, und Geschenke, die er dafür bekam. (Wien 1660, in G. B. Costa, „Lettere varie e documenti autentici intorno le opere e vero nome e cognome e patria di Guido Cagnacci“, 1752).

Guido Cagnacci, Lucrezia, Öl auf Leinwand, 114,5 x 112 cm, Weltrekordpreis € 1.380.000 (verkauft im Dorotheum)

Cagnacci schuf ein heute im KHM befindliches Ganzfigurenporträt Kaiser Leopolds I. Der Kaiser „schätzte den Künstler außerordentlich und unterstützte ihn großzügig. Er erwarb außerdem von ihm die Gemälde „Der Tod der Kleopatra“ und „Der Heilige Hieronymus“. Cagnaccis Werke haben bis heute nichts an Modernität eingebüßt. Um seine feine Pinselführung beneideten ihn schon seine Zeitgenossen.

Die enge Verbindung zwischen Cagnacci und Wien fand am 24. April 2007 ihre Fortsetzung, als seine „Lucrezia“ im Wiener Dorotheum den bisher höchsten Preis für ein Werk dieses Künstlers erzielte.

INFORMATIONEN zur AUKTION

Auktionstermin: 30. April 2019, 17:00

Auktionsort: Palais Dorotheum, Dorotheergasse 17, 1010 Wien

Besichtigung: 20. April – 30. April 2019

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