ENIGMA: Gut verschlüsselt?

Die wohl berühmteste Chiffriermaschine der Welt, die Enigma, spielte im Zweiten Weltkrieg eine zentrale Rolle. Nur wenige Exemplare sind heute noch erhalten. Im Dezember 2020 gelangt eines davon im Dorotheum zur Auktion.

Die wohl berühmteste Chiffriermaschine der Welt

Im digitalen Zeitalter ist der Schutz unserer Daten – von E-Mail-Verkehr bis Internetbanking – allgegenwärtig. Dafür ist die Kryptografie, also die Wissenschaft von der Ver- und Entschlüsselung von Informationen, grundlegend, für uns jedoch weitgehend unsichtbar.

Nicht so in der Prä-Computer-Ära, als die Kryptografie als Geheimschrift oder -zeichen auftauchte, um sich schließlich im 20. Jahrhundert in Gestalt elektromechanischer Maschinen sichtbar zu machen. Eine solche Maschine sollte im zweiten großen Krieg dieses Jahrhunderts von entscheidender politischer Bedeutung sein: die Enigma. Eine solche wurde im Dorotheum in der Auktion historische wissenschaftliche Instrumente im Juni 2020 um 117.800 Euro verkauft!

eine großartige Erfindung

Chiffriermaschine ENIGMA I
Berlin 1944, Heimsoeth und Rinke, Seriennummer „20483, Metallgehäuse, mit drei Walzen (III, IV und V), Umkehrwalze B und Steckerbrett, Holzkasten (geschlossen) ca. 38 x 28 x 15,5 cm
erzielter Preis € 117.800

Erfunden wurde diese Chiffriermaschine von Arthur Scherbius (1878–1929), einem deutschen Elektrotechniker, der sein erstes Patent dafür 1918 anmeldete. Da das deutsche Militär damals wenig Interesse zeigte, wurde die Enigma zunächst am zivilen Markt angeboten. Erst ab 1926 war sie in Deutschland in militärischem Gebrauch, wurde aber schon wenig später ausschließlich dafür produziert. Mit der Machtergreifung Adolf Hitlers, den zunehmenden politischen Spannungen und der damit einhergehenden Aufrüstung wurde die Enigma zum wichtigsten Verschlüsselungssystem des deutschen Militärs. Sie kam vor allem bei der Luftwaffe, der Kriegsmarine und beim Heer, aber auch im diplomatischen Dienst oder bei der Reichsbahn zum Einsatz. Unter den Deutschen galt die Enigma als absolut sicher, als „unknackbar“. Der Schlüsselraum überstieg ab 1939 unglaubliche 100 Trilliarden, das sind rund 1023 Möglichkeiten.

Niemand ahnte freilich, dass auf einem idyllischen englischen Landsitz, rund 70 Kilometer von London entfernt, die von der deutschen Wundermaschine verschlüsselten Funksprüche abgefangen und unter hohem personellen Aufwand ausgewertet wurden. Fieberhaft arbeiteten Kryptoanalytiker wie Alfred Dillwyn Knox, William Gordon Welchman, Philip Stuart Milner-Barry und Alan Turing in Bletchley Park an der Entschlüsselung der Enigma. Dafür bedienten sie sich einer von Alan Turing entwickelten elektromechanischen Maschine. Die „Turing-Bombe“, bestehend aus der Hintereinanderschaltung von dreimal zwölf Walzensätzen der Enigma, war eine Weiterentwicklung der „Bomba“, die der polnische Mathematiker Marian Rejewski ersonnen hatte.

Tarnbezeichnung Ultra

Schließlich gelang es in Bletchley Park, die Enigma mit einigen wenigen Unterbrechungen während des gesamten Krieges zu entschlüsseln. Unter der Tarnbezeichnung „Ultra“ hörten die Briten und somit alle alliierten Streitkräfte ab Jänner 1940 den geheimen deutschen Funkverkehr mit. Diese Informationen verschafften nicht nur im U-Boot-Krieg den Alliierten den Sieg. Laut Winston Churchill war es „Ultra“ sogar zu verdanken, dass der Krieg überhaupt gewonnen wurde.

Die Entschlüsselung der Enigma blieb jedenfalls bis in die 1970er-Jahre Großbritanniens bestgehütetes Geheimnis. Seine Enthüllung brachte untypischen Helden wie Alan Turing späten Ruhm und Anerkennung ein.

AUKTION

Uhren, Technik und Kuriositäten – Sammlung Spielautomaten
3. Dezember 2020, 15 Uhr

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