myARTMAGAZINE: Filmreif!

Was haben „Der Dritte Mann“ und „Grand Budapest Hotel“ gemeinsam? Zahlreiche in diesen Filmen verwendete Möbel und Requisiten stammen von der Wiener Innenausstattungsfirma Schmiedl, die das eine oder andere Stück im Dorotheum erwarb. Ein Porträt zum 100. Firmenjubiläum.

Ausstatter in der vierten Generation: Romana und Max Schmiedl Foto: Nadine Weixler

Kaum jemand würde ahnen, dass von einer – zugegeben imposanten – Lagerhalle an Wiens beschaulichem Südrand aus österreichische wie internationale Film-Großproduktionen mit Möbeln und Requisiten ausgestattet werden. Der Standort hat gewechselt, doch nach mittlerweile 100 Jahren zählt das Wiener Familienunternehmen Schmiedl mit einem Fundus von mehr als 10.000 Objekten von Barock bis Historismus zu den größten Filmausstattern Europas.

Der berühmte Hollywood-Requisiteur Bernhard Henrich, bei Schmiedls etwa für das „Tom Cruise goes Stauffenberg“- Historiendrama „Operation Walküre“ fündig geworden, schätze vor allem „die Qualität der Möbel“, erzählen Romana und Max Schmiedl, Besitzer in mittlerweile vierter Generation. Kein Wunder, gibt es hier doch kaum Fakes, sondern meist Originale – aus dem Dorotheum zum Beispiel –, die Erich Traber, langgedienter Restaurator des Unternehmens, in perfekten Zustand versetzt. „Wir achten beim Kauf auf den Stoff und die Substanz“, erklärt das Paar.

Im Büro: Plakat zum
Film „Hallo Dienstmann!“ von 1952 und Foto mit persönlicher Widmung von Schauspieler Hans Moser Foto: Nadine Weixler

Der Gang zu den Büroräumen der Firmenzentrale gleicht einer Zeitreise. Da hängen etwa persönliche Widmungen an die Firmenbesitzer von so unterschiedlichen Schauspielern wie Bill Murray und Hans Moser, die man bei den Dreharbeiten zu Wes Andersons „Grand Budapest Hotel“ (2014) und zu „Hallo, Dienstmann“ (1952) kennenlernte. Auch an Carol Reeds „Der Dritte Mann“ oder „Sound of Music“ – weltberühmten Produktionen mit Österreich als Hauptschauplatz – war die Firma Schmiedl beteiligt.

Start-up anno 1919

Im Bild vereint: Sofa aus Wes Andersons „Grand Budapest Hotel“ und Lampe in Ananasform aus dem TV-Zweiteiler „Das Sacher“ Foto: Nadine Weixler

Entstanden ist alles aus einem Zufall heraus. Max Schmiedls Urgroßvater, als Tapezierer für die Requisiten am Raimundtheater zuständig, sollte für eine Filmfirma ein Silberbesteck organisieren. Er blieb darauf sitzen – und entwickelte daraus seine Geschäftsidee. So sah also ein in der Windmühlgasse im 6. Wiener Gemeindebezirk situiertes Start-up anno 1919 aus! Der Großvater katalogisierte bereits in den 1960er- Jahren die Objekte: ein innovativer Zug. Heute ist alles online abrufbar.

„Wir achten darauf, ganze Ensembles anzukaufen“, sagt Romana Schmiedl, die sich etwa bei der Dorotheum-Auktion „Selected by Hohenlohe“ umsieht, „oder wir stellen sie zusammen“. Komplette Zimmereinrichtungen sind sehr gefragt, etwa für den TV-Historien-Zweiteiler „Das Sacher“. Die größte Nachfrage aber herrscht nach Bildern und nach Beleuchtung. Im Dorotheum erworbene Riesen-Tischlampen aus Porzellan dienen der Optik in den Schauräumen. „Man braucht immer ein paar Highlights“, weiß Max Schmiedl von Vater und Großvater.

Von Filmausstattern wegen seiner opulenten Beine in Löwenform ausgewählt: Ausziehtisch aus dem Dorotheum. Foto: Nadine Weixler

Jede Generation hat in den vergangenen 100 Jahren dem eigenen Geschmack folgend Möbel und Dekor erworben, vom römischen Scherensessel bis zum Nierentisch der 1950er-Jahre. Der Schwerpunkt liegt auf Historismus. Im Lager reihen sich Stühle an Stühle, Sofas an Sofas, hier finden sich Öfen und Kamine, Spiegel und Bilder, Gartenmöbel und Schulbänke, chinesische und orientalische Objekte, Schreibgarnituren und Telefone. Auch der rote „Thron“ ist dabei, auf dem Robert Palfrader in „Wir sind Kaiser“, einer Satire-Show des österreichischen Rundfunks, als Robert Heinrich I. seine Gäste empfing.

Bei aller Modernisierung und Vernetzung: Das Reich der Schmiedls ist bis heute – wie ein Zeitungsartikel aus den 1960ern den Fundus beschreibt – eine „Zauberhöhle mit Familientradition“.

Lesen Sie jetzt mehr über die Innenausstattungsfirma Schmiedl und unser myARTMAGAZINE!

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