Frühes Kunstsponsoring: Ludwig van Beethoven

Im Beethoven-Jahr 2020 gelangt ein eigenhändiges Schreiben des Komponisten von 1815 im Rahmen der Autographen-Auktion des Dorotheum am 30. November 2020 zur Versteigerung. Es bezeugt die lebenslange Förderung des Jahrhundertgenies durch Erzherzog Rudolf.

ein rätselhaftes Schriftstück

Ein auf den ersten Blick rätselhaftes Schriftstück von Beethovens Hand erweist sich als Zeugnis einer langjährigen persönlichen und finanziellen Beziehung zwischen dem gefeierten Genie der Wiener Klassik und seinem wichtigsten Gönner. Schlüssel zum Verständnis des nur teilweise erhaltenen Autographs ist der links oben lesbare Vorname „Rudolph“. Er lenkt den Blick auf Erzherzog Rudolf von Österreich (1788–1831), jüngster Bruder von Kaiser Franz I., Schüler und Freund Beethovens sowie seit 1820 Erzbischof von Olmütz.

Ludwig van Beethoven
eigenhändige Quittung für die Hauptkasse Erzherzog Rudolfs von Österreich
Fragment, ca. 22 x 14 cm, Wien, 30. März 1815
Schätzwert € 10.000 – 20.000

Der künstlerisch vielseitig begabte und als hervorragender Pianist bekannte Erzherzog hatte Beethoven im Jahr 1809 gemeinsam mit den Fürsten Kinsky und Lobkowitz ein jährliches Gehalt von 4.000 Gulden vertraglich zugesichert. Damit wollte man den international hochgeschätzten Komponisten dazu bewegen, ein lukratives Angebot von Jérôme Bonaparte auszuschlagen und weiterhin in Wien zu verbleiben, um sich in seiner Wahlheimat frei von materiellen Sorgen ganz der Musik widmen zu können. Der Anteil des Erzherzogs belief sich auf 1.500 Gulden per annum; die halbe Summe (750 Gulden) war zweimal jährlich zu beheben und der Hauptkassa des Erzherzogs ordnungsgemäß zu quittieren. Vor diesem Hintergrund lässt sich der Inhalt und wohl auch der Wortlaut des Beethoven’schen Autographs aufgrund des Vergleichs mit einer Quittung von 1814 (Beethoven-Haus Bonn, HCB Br 205) einigermaßen verlässlich rekonstruieren (die Markierungen kennzeichnen den Textbestand des Autographs):

„Quittung über 750 Gulden W(iener) W(ährung) sage siebenhundertfünfzig Gulden W(iener) W(ährung), welche Endesgefertigter an seinen von S(eine)r kaiserlichen Hoheit, dem durchlauchtigsten Erzherzog Rudolph, gnädigst bewilligten Gehalt und zwar von 1ten September bis letzten Februar 1815 laufenden Jahres aus der Hauptkassa richtig empfangen zu haben anmit quittirtWien, am 30ten März 1815. Ludwig van Beethoven.“

Während die anderen hochadeligen Sponsoren ihre Zahlungen zeitweilig nicht vertragskonform leisten konnten, stellte der Erzherzog seine Beiträge bis zum Tod Beethovens stets im halbjährlichen Rhythmus zur Verfügung. Von den eigenhändigen Quittungen Beethovens haben sich allerdings nur sehr wenige Exemplare erhalten.

Auktion

Autographen, Handschriften, Urkunden
30. November 2020

No Comments Yet

Comments are closed




Auktions-Höhepunkte, Rekord-Preise und spannende Kunst-Geschichten. Mit dem Dorotheum Blog sind Sie immer am Puls des Auktionsgeschehens!


Archive
Languages