Auktion Zeitgenössische Kunst: Piero Dorazio

FARBSTRAHLEN

„Farbstrahlen“ nannte der Dichter Giuseppe Ungaretti die charakteristischen Bilder seines Freundes Piero Dorazio. Der Künstler verwendete dabei Gitter, gepaart mit einer meisterhaften Handhabung der Farbnuancen. Drei Werke Dorazios werden am 5. Juni im Dorotheum zur Auktion Zeitgenössische Kunst I kommen.

Piero Dorazio, Cecarola grande, 1974, Öl auf Leinwand, 75 x 105 cm, Schätzwert € 45.000 – 55.000, Auktion Zeitgenössische Kunst I, 5. Juni

Piero Dorazio, 1927 geborener Römer, integriert sich in die Kunstszene der italienischen Hauptstadt, wo er zunächst mit dem Atelier von Renato Guttuso, später mit Giulio Turcato, Concetto Maugeri, Antonio Sanfilippo und Carla Accardi Kontakt pflegt, mit denen er 1947 auch die Künstlergruppe Forma 1 gründet.

1953 begibt er sich in die USA, lernt dort Motherwell, Rothko sowie Kline kennen und stellt erstmals selbst in der Wittenborn One-Wall Gallery und in der Rose Fried Gallery in New York aus.

In den frühen 1960er-Jahren, als sich, wie Michele Casamonti von der Galleria Tornabuoni erklärt, die künstlerische Suche stärker am Konzeptionellen und Materiellen orientiert, bringt Dorazio eine neue Idee von Malerei ein, die auf Farbe und Licht setzt. Daraus erarbeitet er eine künstlerische Sprache, die sich in Aufbau und Methode von der Flüchtigkeit der Geste bei Vedova und Afro, von den Schnittbildern eines Fontana und der Improvisation von Burris Verbrennungen unterscheidet.

Piero Dorazio, Shatten orange, 1985, Öl auf Leinwand, 160 x 130 cm, Schätzwert € 60.000 – 80.000, Auktion Zeitgenössische Kunst I, 5. Juni

Die ersten übereinandergelegten Farbgitter gehen auf das Jahr 1958 zurück. In der Folge entwickeln sie sich zu reinen Pigmenten, die in großen Bündeln auf der Leinwand verteilt werden, parallel, überkreuzt oder sich überlagernd verlaufen – „Farbstrahlen“, wie sein Freund Giuseppe Ungaretti sie nennt. Durch das Netz der Farbstrukturen wird der Raum neu erfunden, ein Geflecht aus horizontalen, vertikalen und diagonalen Linien entsteht, in dem das Licht und die Farben miteinander in Beziehung treten.

In der Juni-Auktion des Dorotheum werden drei Werke des Künstlers vertreten sein. „Shatten Orange“, Öl auf Leinwand aus dem Jahre 1985, zeigt die typischen Stilelemente Dorazios: die elegante formale Intelligenz, die sich aus der Verwendung des Gitters ergibt, gepaart mit einer Meisterschaft der Farbnuancen. Licht und Farbe kehren auch in „Point Y“ wieder, wo die Farbe aber nicht die Form eines Netzes annimmt, sondern sich in gleichmäßigen Grundierungen widerspiegelt.

Piero Dorazio, Turris eburnea, 1957 Öl auf Leinwand, 148 x 115cm Schätzwert € 180.000 – 260.000, Auktion Zeitgenössische Kunst I, 5. Juni

„Turris eburnea“ entfernt sich ein wenig von der explosiven Farbgebung der zwei genannten Werke: Die Affinität zur Farbe wird „unter Kontrolle gehalten durch die Suche nach einer vertikalen Struktur, die zum Bild des Wachstums wird (turris). Die Komposition entwickelt sich von unten nach oben, zugleich erwächst auf malerischer Ebene aus der blanken Unterlage die reiche und dichte Materie des fertigen Bildes. Der Titel Elfenbeinturm drückt die Isolation aus, Grundbedingung für einen kreativen Akt.“

INFORMATIONEN zur AUKTION

Auktionsdatum: 5. Juni 2019, 17.00 Uhr

Auktionsort: Palais Dorotheum, Dorotheergasse 17, 1010 Wien

Besichtigung: ab Samstag, 25. Mai

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