Auktion: Signierte Teppiche aus orientalischen Meisterwerkstätten

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts stagnierte die Nachfrage nach kleinbemusterten Teppichen. Die Teppichkunden hielten sich an antiken oder neuen geometrischen Teppichen aus dem Kaukasus und der Türkei, aber auch moderne Teppiche aus Südpersien, Nepal, Tibet und Indien fanden Platz im europäischen Interieur. Durch den starken Preisanstieg in den klassischen Erzeugerländern wurde in letzter Zeit die Teppichproduktion in Drittländern wie Pakistan und Afghanistan ausgelagert, welche nun den Markt mit größeren Mengen eher „einfachen“ Einrichtungsteppichen beliefern.

Signierter Seideteppich aus Hereke, Nordwestanatolien (Türkei). Um 1950, Rufpreis €16.000
Hereke Seide, Nordwestanatolien (Türkei). ca. 313 x 190 cm, um 1950. Signiert mit ‚Hereke‘ an der rechten oberen Außenborte. Rufpreis €16.000

Erst im letzten Jahrzehnt ist ein deutlich wiederkehrender Trend zu den fein geknüpften „Persern“ – und damit sind keine iranischen Volksangehörigen gemeint, zu beobachten. Trotz Verteuerung bis zu dreihundert Prozent, scheint die ursprüngliche Knüpfkunst Ihren Stellenwert bei Teppichliebhabern wieder bewusst zu werden. Die Preiserhöhung resultiert aus der Inflation sowie vorwiegend aus einer bis zu fünfzig prozentigen Abwanderung der Knüpfer und Knüpferinnen aus den ursprünglichen Produktionsstätten. Jahrelang konzentriertes Teppichknüpfen ist kein einfaches Unterfangen, zumal in einem wirtschaftlich gut geführten Land wie dem Iran, andere und besser bezahlte Arbeitsmöglichkeiten zu Verfügung stehen. Derartige Produktion lässt sich auch nicht „outsourcen“, da zur Vollendung traditionsreiche Fertigungsmethoden und überliefertes „Knowhow“ notwendig sind. Durch die Aufhebung des bestehenden amerikanischen Embargos gegen die Einfuhr iranischer Waren, werden die Preise sicherlich nochmals in die Höhe schnellen.

Wertvolle, alte und antike Teppiche sind immer weniger aufzufinden. Die Stücke verschwinden in Privatsammlungen oder brauchen sich mit der Zeit durch Strapaze auf. Die Nachfrage ist gegeben und der Markt boomt im Auktionsgeschäft – ein gutes Exponat darf auch Geld kosten. Im Jahr 2013 wurde bei einer Auktion der Rekorderlös von 27.5 Mill. EUR für einen iranischen Teppich erzielt!

Signierter Teppich aus der Werkstatt Mesched Amoghli in Nordostpersien, um 1940, Rufpreis €25.000
Aus der Werkstatt Mesched Amoghli in Nordostpersien (Iran), um 1940, ca. 313 (327) x 198 (209) cm. Rufpreis €25.000.

Ohne die Schönheit der auch immer seltener werdenden antiken, groben und oft schiefen Bauern- und Nomadenteppiche abzusprechen, wird es sich bei den „antiken Teppichen von Morgen“, welche von unseren nachfolgenden Generationen gehandelt werden, wohl um die semiantiken, neuzeitlichen, klassischen und feinen Stücken, der teils auch signierten Meisterwerkstätten, handeln. Diesen Status werden jedoch nur die farbechten Teppiche erlangen, welche nicht verblassen oder gar einer Wäsche standhalten können. Unerlässlich hierfür ist der der schonende Umgang, damit sie zum einen die Jahrzehnte überdauern, zum anderen um die gewünschte Alterspatina zu erlangen. Man darf schon gespannt sein, wie ein schöner Isfahan, Täbriz oder die besten Stücke aus Hereke oder Samsun, um nur einige zu nennen – nach einigen Jahrzehnten ihr Aussehen zum positiven verändern werden.

Die kommende Auktion

In dieser Auktion als Sonderteil geführt, wollten wir diese Gegebenheit ansprechen und können als nachfolgenden Lots auch verschiedenste dieser Teppichqualitäten ausbieten. Alle diese ausgewählten Stücke tragen eine eingeknüpfte Inschrift, die wie ein Markenzeichen auf die ausführende Manufaktur, bekannte Knüpfmeister oder Musterzeichner hinweist. Viele dieser Teppiche waren ursprünglich nicht für den Export bestimmt und wurden von wohlhabenden Iranern oder Araber erst in Auftrag gegeben.

Orientteppiche, Textilien und Tapisserien

Mittwoch, 23. März, 16 Uhr
Besichtigung ab 16. März 2016
Palais Dorotheum Wien

weitere Objekte finden Sie im Online Katalog!

 

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