Sterling Ruby: Explosiv

Sein Werk ist so vielschichtig wie verstörend. Sterling Ruby exerziert in unterschiedlichsten Medien eine zeitgenössische Arte Povera auf Amerikanisch. „2 drops“ ist eine Arbeit aus der Serie Soft Sculptures.

Er gehört sicher zu den vielseitigsten, unberechenbarsten und einflussreichsten Künstlern der Gegenwart. Der auf einem deutschen Luftwaffenstützpunkt der U.S. Air Force in Bitburg, Deutschland, geborene und in Los Angeles lebende Künstler Sterling Ruby arbeitet gattungsübergreifend in divergenten Arbeitsprozessen, aus denen unter anderem biomorphe Keramiken und großflächig besprühte Leinwände resultieren. Auch verschiedene Formen der Collage, Videoarbeiten, Tapisserien, Soft Sculptures bis hin zu eigenen Modekollektionen sind Bestandteile seiner Environments. In seinen Arbeiten bezieht sich Ruby auf biografische ebenso wie auf soziale Themen – etwa auf Hochsicherheitsgefängnisse, Bodybuilding, Kriegsführung, Sekten und Gangs oder verschiedene Randgruppen. Sein Werk oszilliert zwischen „dem Fluiden und dem Statischen, dem Minimalistischen und dem Expressionistischen, zwischen Unberührtem und Beflecktem“, wie es in einem Katalogtext anlässlich Rubys Personale im Wiener Winterpalais 2016 beschrieben wurde. Eine zeitgemäße Arte Povera Americana sozusagen.

Sterling Ruby, 2 drops, 2011, roter Stoff und künstliche Füllfasern, 497 x 50,8 x 25,4 cm, Auktion Zeitgenössische Kunst 1. Dezember 2021, Schätzwert € 35,000 – 50,000
Sterling Ruby, 2 drops, 2011, roter Stoff und künstliche Füllfasern, 497 x 50,8 x 25,4 cm, Auktion Zeitgenössische Kunst 1. Dezember 2021, Schätzwert € 35,000 – 50,000

2 drops

Die im Dezember bei der Auktion Zeitgenössische Kunst offerierte Arbeit „2 drops“ wurde 2011 in der Ausstellung „I AM NOT FREE BECAUSE I CAN BE EXPLODED ANYTIME“ in Berlin installativ präsentiert. Der Ausstellungstitel ist einem 1983 entstandenen Gemeinschaftsgemälde von Jenny Holzer und der Graffiti-Künstlerin Lady Pink entlehnt. Seit Jahren fasziniert von dieser Arbeit, stellte Ruby fest, dass sich deren selbstreferenzieller Slogan in den damals aktuellen politischen Diskurs über Terrorismus einordnen lasse – im Sinne eines Hinweises auf Amerikas Obsession mit dem Begriff „Freiheit“ und auf die Frage, ob es dafür gehasst werde. Ruby interpretiert Holzers Satz als Ausdruck des realen Gefühls des Gefangenseins in einem Kriegsgebiet. Aber wie alle kryptischen Texte Holzers ist er mehrdeutig und kann auch als Expression einer Art paranoiden Wahns angesehen werden.

Mit seinen Arbeiten lotet Sterling Ruby kontinuierlich die Grenzen künstlerischer Medien aus und verschiebt nicht zuletzt Schwellen; etwa, als er 2019 – nach jahrelanger Zusammenarbeit mit Raf Simons, ehemals Chief Creative Designer von Dior und Calvin Klein – eine eigene Modekollektion herausbrachte.

Information: Petra Schäpers ist Expertin für Zeitgenössische Kunst und Leiterin der Dorotheum Repräsentanz Düsseldorf

AUKTION

Zeitgenössische Kunst I , 1. Dezember 2021, 18 Uhr
Palais Dorotheum, Dorotheergasse 17, 1010 Wien

20c.paintings@dorotheum.at
Tel. +43-1-515 60-358, 386

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