Contemporary Week: Jan J. Schoonhoven

Holländische Tendenzen

Jan J. Schoonhoven gehört als Mitbegründer der niederländischen „Nul“- Bewegung zu den bedeutendsten europäischen ZERO-Künstlern. In seinen monochromen Objekten aus Papier und Kartonage untersucht er das materielle Wesen der Wirklichkeit. Eines davon gelangt in Kürze im Dorotheum zur Auktion.

Im Juli 1962 stellten Jan Schoonhoven und andere Mitglieder der niederländischen Gruppe Nul (Armando, Jan Henderikse und Henk Peeters) in der Klagenfurter Galerie Wulfengasse 14 aus: „Neue holländische Tendenzen“ war ihre erste Schau im Ausland und markierte den Übergang der Gruppe vom Informel zum nichtmalerischen ZERO-Konzept. Schoonhoven hatte bereits ab 1960 an monochromen weißen Reliefs aus Pappmaschee, Papier und Kartonage gearbeitet, die ihm schließlich internationale Anerkennung einbringen und ihn zu einem führenden europäischen ZERO-Künstler machen sollten.

Jan J. Schoonhoven, Ohne Titel, 1964 Wellkartonrelief auf Spanplatte, 80,5 x 59,3 x 3,3 cm Schätzwert € 50.000 – 70.000
Jan J. Schoonhoven, Ohne Titel, 1964 Wellkartonrelief auf Spanplatte, 80,5 x 59,3 x 3,3 cm Schätzwert € 50.000 – 70.000

In einem Kunsttext aus dem Jahr 1965 – „Zero. De nieuwe stijl. Werk van de internationale avant-garde, 1“ – legt Schoonhoven seinen Zugang zu ZERO dar: Es gehe vorrangig darum, „die Wirklichkeit in ihrer Essenz, […] das wahre Wesen vorgefundener Objekte in isolierter Klarheit offenzulegen. Ziel ist es, auf unpersönliche Weise die Wirklichkeit als Kunst zu begründen.“ Das titellose Relief aus dem Jahr 1964, das zur Versteigerung kommt, versinnbildlicht diesen reduktionistischen Zugang.

Jan Schoonhoven, Ohne Titel, 1964
Installation, Karton, Haags Gemeentemuseum (Kunstmuseum), Den Haag, 1964
Foto: Oscar van Alphen

Das Konzept dahinter steht in direktem Zusammenhang mit der Ausstellung „ZERO-0-Nul“ im Den Haager Gemeentemuseum im Jahr 1964 (siehe Foto), wo auch Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker ausstellten. Um sich von der deutschen ZERO-Gruppe abzugrenzen, verlegten sich die vertretenen niederländischen Künstler auf Installationen von Ready­mades und Industriematerial. Im Vorfeld der Ausstellung sahen sie sich in einer Farbfabrik nach geeigneten Gegenständen um. Auf dem Dachboden der Fabrik stolperte Schoonhoven über einen Haufen gefalteter Kartonschachteln. Sie erinnerten ihn an Reliefs aus horizontal angeordneten Kartonstreifen, die er 1962 in der besagten Klagenfurter Ausstellung gezeigt hatte: „Die Schachteln stapelten sich zu einer Wand – wie meine Reliefs. […] Und genau so brachten wir sie ins Museum.“

Schoonhoven machte daraus eine Installation ohne Titel. Die Wellkartonstreifen ließen ein Muster aus Licht und Schatten entstehen, das durch die lose Stapelung noch verstärkt wurde. Der Künstler ließ sich davon zu einer Reihe weiterer Reliefs inspirieren, in denen er das Konzept noch vertiefte. Die Arbeit, die nun zur Versteigerung gelangt, war eine der Ersten. Für Schoonhoven kam der ZERO-Gedanke in diesen Werken vielleicht am besten zur Geltung: „Ich hatte immer das Gefühl, dass diese [Arbeiten] direkt vom ZERO-Gedanken beseelt waren, Objekten durch Isolation eine neue Realität zu verleihen.“

AUKTION

Zeigenössische Kunst, 25. November 2020
Palais Dorotheum, Dorotheergasse 17, 1010 Wien

20c.paintings@dorotheum.at
Tel. +43-1-515 60-358, 386

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