Belvedere Werkverzeichnis Carl Moll

Carl Moll (1861–1945) war Mitbe- gründer der Wiener Secession sowie der Wiener Werkstätte. Als Leiter der Galerie Miethke brachte er Werke internationaler Künst- lerpersönlichkeiten wie Paul Gauguin, Vincent van Gogh oder Francisco de Goya nach Wien und förderte junge österreichi- sche Talente wie Oskar Kokoschka, Egon Schiele und Anton Kolig.

Neue Erkenntnisse zur künstlerischen Tätigkeit Molls bringt nun das von Cornelia Cabuk erstellte Werkverzeichnis der Malerei und Druckgrafik, das in der vom Dorotheum unterstützten Reihe der Belvedere Werkverzeichnisse erscheint. Der Œuvrekatalog steht auf der frei zugänglichen Onlineplattform für Werkverzeichnisse des Belvedere bereits zur Recherche zur Verfügung. Die gedruckte Version mit Textbeiträgen von Stella Rollig, Cornelia Cabuk, Christian Huemer, Gerd Pichler und Bernadette Reinhold ist nun erhältlich.

 

Carl Moll Weiße Rosen II, um 1925 Öl auf Leinwand, 60 x 50 cm erzielter Preis € 149.400
Carl Moll Weiße Rosen II, um 1925 Öl auf Leinwand, 60 x 50 cm erzielter Preis € 149.400
Carl Moll, Blick auf Nußdorf und Heiligenstadt in der Dämmerung, um 1905, erzielter Preis € 278.600

Im April 1861 in Wien geboren, nimmt Carl Moll bereits während der Schulzeit privaten Malunterricht. Nach dem Schulabschluss folgt ein klassisches Studium an der Akademie der bildenden Künste, das er aufgrund gesundheitlicher Probleme bald aufgeben muss. Kurze Zeit später ist er schon als Schüler und Assistent des berühmten Landschaftsma- lers und guten Freundes Emil Jakob Schindler tätig. Es ist das klassische Formenvokabular dieses Lehrers, das die Werke Molls zu jener Zeit am stärksten beeinflus t. Nach Schindlers Tod 1892 steht Moll in engem Kontakt mit Wegbereitern der Wiener Moderne wie Gustav Klimt, Josef Hoffmann oder Koloman Moser. In diesem Umkreis entstehen zahlreiche Landschaften, Innenraumdarstellungen sowie Stillleben. Insbesondere das spezifisch Raumverständnis von Molls Interieurs verweist auf die Architektur Josef Hoffmanns und den Wiener Jugendstil und macht bereits auf die Bedeutung des Rasters in der klassischen Moderne aufmerksam. Sein fein balanciertes System, bestehend aus Linien und Flächen, belebt der Maler durch malerische Akzente in einer bewusst reduzierten Farbskala und in sensiblem Verständnis für die Wiedergabe von Materialität und Oberflächen

Nach Austritt aus der Secession 1905 und der Galerie Miethke 1912 wird der Pinselduktus in Molls späteren Werken zunehmend freier. Vor allem im Süden Europas malt er ein fulminantes Spätwerk. Es entstehen momenthafte und temperament- volle Impressionen des Mediterranen. Für viele wohl überraschend wird Moll in seinem letzten Lebensabschnitt zum überzeugten Nationalsozialisten. Sein Leben endet 1945 kurz vor Kriegsende mit Suizid.

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