Carl Moll: Hommage ans Licht

Hommage ans Licht

Gleich drei bislang unbekannte oder nur als Schwarz-Weiß-Abbildungen dokumentierte Gemälde des virtuosen Malers Carl Moll fanden ihren Weg aus zwei alten Privatsammlungen in die kommende Moderne-Auktion des Dorotheum.

Es ist ein berührender Moment, wenn nur aus der Geschichte bekannte Bilder wieder auftauchen und einem ganz unmittelbar in ihrer farbigen Wirkkraft, aber auch mit der besonderen Aura gelebter Familientradition entgegentreten. So geschehen mit den drei demnächst im Dorotheum angebotenen Gemälden. Zwei dieser Werke stammen aus der Sammlung von Anton Klement (1886–1965), Regierungsrat in Wien, der mit Carl Moll (1861–1945) und dessen Tochter Maria befreundet war. Im Erbgang hielten sie sich die vergangenen 80 Jahre im Privatbesitz. Sie sind um 1930 entstanden – jenes Jahr, in dem der Maler fast 70-jährig sein letztes, bemerkenswert dynamisches und stilistisch wieder neu geprägtes Alterswerk begann. Subtil zeichnete er die Nuancen der Töne heraus, nach impressionistischer Tradition ohne Schwarz, nur in Abwandlungen der Farben.

Diese stilistische Besonderheit zeichnet auch „Die große Pappel“ aus. „Scitvar“ steht rätselhaft als Titel auf der Rückseite des Bildes –ein Pendant zu „Sommertag“, das sich im Belvedere befindet. Eine große, grün schillernde Pappel steht majestätisch am Ufer eines Wassers. Ob Bach oder ein Teich irgendwo im Prater oder an einem der Seen im Wienerwald, ist unwesentlich. Es ist eine Hommage an das Licht, das die eine Farbe – Grün – aus der Monotonie einer Tonsequenz rückt, die Klaviatur von Hell bis Dunkel rhythmisch, harmonisch abspielt und mit den gezielt gesetzten weißen Himmelsflecken Raum gibt.

1930 entstand unter dem Einfluss des jüngeren Kollegen Robin Christian Andersen eine Serie von Blumenstillleben, von denen eines, „Stillleben mit blauer Flasche“, die Österreichische Galerie Belvedere erwarb. So wie dieses zeigt auch die „Begonie“ der Sammlung Klement einen neuen Wagemut der Farben und ein anderes Dirigieren des Lichts, das, mehr von der Rückseite kommend, den Rändern entlangtanzend, den Dingen eine stärkere Plastizität verleiht, eine kraftvolle Präsenz.

Carl Moll „Die große Pappel“, 1928 Öl auf Leinwand, 60 x 60 cm Schätzwert € 50.000 – 90.000
Carl Moll, „Die große Pappel“, 1928, Öl auf Leinwand, 60 x 60 cm, Schätzwert € 50.000 – 90.000

Diese stilistische Besonderheit zeichnet auch „Die große Pappel“ aus. „Scitvar“ steht rätselhaft als Titel auf der Rückseite des Bildes – ein Pendant zu „Sommertag“, das sich im Belvedere befindet. Eine große, grün schillernde Pappel steht majestätisch am Ufer eines Wassers. Ob Bach oder ein Teich irgendwo im Prater oder an einem der Seen im Wienerwald, ist unwesentlich. Es ist eine Hommage an das Licht, das die eine Farbe – Grün – aus der Monotonie einer Tonsequenz rückt, die Klaviatur von Hell bis Dunkel rhythmisch, harmonisch abspielt und mit den gezielt gesetzten weißen Himmelsflecken Raum gibt.

1930 entstand unter dem Einfluss des jüngeren Kollegen Robin Christian Andersen eine Serie von Blumenstillleben, von denen eines, „Stillleben mit blauer Flasche“, die Österreichische Galerie Belvedere erwarb. So wie dieses zeigt auch die „Begonie“ der Sammlung Klement einen neuen Wagemut der Farben und ein anderes Dirigieren des Lichts, das, mehr von der Rückseite kommend, den Rändern entlangtanzend, den Dingen eine stärkere Plastizität verleiht, eine kraftvolle Präsenz.

Carl Moll „Venedig, Riva Schiavoni“, um 1915 Öl auf Leinwand, 66 x 60 cm Schätzwert € 60.000 – 100.000
Carl Moll, „Venedig, Riva Schiavoni“, um 1915, Öl auf Leinwand, 66 x 60 cm, Schätzwert € 60.000 – 100.000

Einen Sprung zurück in das Schaffen von Carl Moll bedeutet schließlich das Bild „Venedig, Riva Schiavoni“, das im Nachlassverzeichnis von Carl Moll noch erwähnt wird und sich von 1963 an durchgehend in einer Privatsammlung befand. Venedig war für Carl Moll nicht nur eine malerische Inspirationsquelle, es war immer auch ein Ort der persönlichen Erholung, den er in den Jahren 1907, 1913 und sehr lange auch 1922 aufsuchte. Der Titel des Bildes ist etwas irreführend, denn diese berühmteste Uferpromenade der Welt ist nur anhand des großen Kirchenbaus der Chiesa della Pietà in der Ferne zu identifizieren. Der Standpunkt des Malers ist nicht eindeutig festzumachen, eventuell steht er aber an der Mole des Hotel Monaco und folgt dem Lauf des Wassers, das sich wie eine Straße, gesäumt von Segelbooten, vorbei an den Giardini Reali, dem Dogenpalast bis zur Riva tief ins Bild erstreckt. Wieder ist es ein Weg vom Schatten hin zu den von der Sonne beschienenen Gebäuden der Riva. Herrlich, wie sich die Konturen der Boote oder der weiß leuchtenden Balustraden im sanften Wellengang spiegeln, wie das warme Sonnenlicht die zarten Wolkenbänder gelblich färbt und den Gebäuden einen goldenen Glanz verleiht.

Carl Moll „Begonie“, 1930 Öl auf Leinwand, 57 x 55 cm Schätzwert € 40.000 – 60.000
Carl Moll, „Begonie“, 1930, Öl auf Leinwand, 57 x 55 cm, Schätzwert € 40.000 – 60.000

Die Sensibilität für die Stimmung in der Natur bleibt der rote Faden, der auch die in der Auktion vertretenen Werke von Carl Moll verbindet, wechselnd in der malerischen Umsetzung und dadurch von zeitloser Aktualität.

In Anton Klements Nachlass erhielten sich auch das handschriftliche Testament und eine Denkschrift von Carl Moll, die er nur wenige Jahre vor seinem Tod verfasst hatte. Sie geben eine sehr persönliche Einsicht in die wirtschaftliche Situation des Malers, in die finanziellen Belastungen, die durch die Pflege der kranken Stieftochter Gerti entstanden waren, und in den Versuch, seiner eigenen Tochter Maria als Alleinerbin einen gerechten Ausgleich zu geben. Diese besonderen Dokumente werden in der Auktion Autographen versteigert.

Teilnachlass von Carl Moll (1861–1945): eigenhändiges Testament und zwei Denkschriften mit Beilagen, 1939 und 1943 Schätzwert € 2.000 – 4.000

AUKTION

Moderne, 22. Mai 2024, 18 Uhr
Palais Dorotheum, Dorotheergasse 17, 1010 Wien

20c.paintings@dorotheum.at
Tel. +43-1-515 60-358, 386

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