Classic Week: Olga Wisinger-Florian

Olga Wisinger-Florian (1844–1926), „Im Bauerngarten“, Öl auf Karton, 77,5 x 94 cm, € 250.000 – 350.000

LILA MOHN

Meisterhaft beherrschte Olga Wisinger-Florian die stimmungsvolle Darstellung von Landschaften und Naturszenen. Das wiederentdeckte Gemälde „Im Bauerngarten“, das bislang nur aus Olga Wisinger-Florians Tagebucheintrag bekannt war, fügt sich
in die blühende Pracht ihres Œuvres ein.

Malen vor dem Motiv

Olga Wisinger-Florians Gemälde „Im Bauerngarten“ hebt sich durch den ungewöhnlichen Bildausschnitt von motivisch verwandten Bildern ihrer Zeitgenossen ab. Von einer üppig mit zartlila Mohn bewachsenen Anhöhe blickt man über ein einfaches Strohdach auf einen schmalen Streifen baumgesäumter Wiese. Diese unerwartete Perspektive lässt sich durch ein Grundprinzip von Wisinger-Florians (reiferer) Malerei erklären: dem Malen vor dem – häufig zufällig entdeckten – Motiv. Fiel der Künstlerin eine reizvolle Szene ins Auge, wurde sie gemalt, und zwar so, wie sie sich darbot.

Licht und Farbe

Die Blütenpracht, die von den noch geschlossenen Kapseln im linken Vordergrund über einzelne aufblühende Mohnblumen zu den in voller Blüte stehenden Blumen nach rechts oben anschwillt, besticht durch die Abwechslung in ihrer Gestaltung. Hervorzuheben sind auch die unter meisterhafter Einbeziehung des Lichteinfalls gestalteten zarten Farbverläufe auf den Blütenblättern. Für Abwechslung in der Farbpalette, die vom Kontrast zwischen dem dunklen Grün der Blätter und Bäume sowie den hellen Blüten bestimmt wird, sorgen die roten Mohnblumen am rechten Bildrand und der leuchtend grüne Wiesenstreifen.

Olga Wisinger-Florian (1844–1926), Im Bauerngarten (Detail), Öl auf Karton, 77,5 x 94 cm, € 250.000 – 350.000
Olga Wisinger-Florian (1844–1926), Im Bauerngarten (Detail), Öl auf Karton, 77,5 x 94 cm, € 250.000 – 350.000
Adelige Provenienz

Die Wiederentdeckung des Bildes, das bisher nur durch Beschreibungen in Wisinger-Florians Tagebüchern bekannt war, bestätigt die Annahme, dass es sich um ein besonderes Werk handelt. Denn als das Gemälde im Münchner Kunstverein 1898 erstmals ausgestellt wurde, stieß es auf großen Anklang und fand zu einem prominenten Erstbesitzer: keinem Geringeren als Prinzregent Luitpold von Bayern. Dazu hielt Wisinger-Florian in ihrem Tagebuch fest: „Früh ½ 9 Uhr in den Kunstverein, Prinz Regent kam um 9 Uhr, war äußerst lieb und kaufte den lila Mohn, welche Freude! Es gefiel ihm alles ungemein, sehr starker Besuch, ich hörte nur Lob und wieder Lob!“ (Tagebuch Olga Wisinger-Florian, 9. Jänner 1898) Das Gemälde wird in das unter der Leitung von Dr. Alexander Giese entstehende Werkverzeichnis der Künstlerin aufgenommen.

AUKTION

Gemälde des 19. Jahrhunderts, 9. November 2020
Palais Dorotheum, Dorotheergasse 17, 1010 Wien

19.jahrhundert@dorotheum.at
Tel. +43-1-515 60-355, 377

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