KUNSTWERK DES TAGES – Stephan Balkenhol

DIE WIEDERENTDECKUNG DES MENSCHEN 

Stephan Balkenhol gilt als einer der Ersten seiner Generation, die das Figurative wieder in die zeitgenössische Skulptur einführten. Seine mithilfe von Hammer und Meißel oft aus einem einzigen Baumstamm gemeißelten Skulpturen verfügen über eine ganz spezielle Ästhetik, indem Späne und Werkzeugspuren, Risse, Maserungen auf der Holzoberfläche sichtbar bleiben und Teil der Skulptur werden. Balkenhol grenzt sich ab von den minimalistischen und konzeptuellen Tendenzen, die in der Bildhauerei der 1980er-Jahre vorherrschend waren. Ganz im Gegensatz zu diesen machen die sozialen und politischen Veränderungen der Zeit es für ihn notwendig, an die jahrhundertealte, unterbrochene Tradition der Skulptur anzuschließen. Seine zeitgenössischen Darstellungen führen die Tradition der Skulptur seit dem Alten Ägypten über Mittelalter und Renaissance fort, seine archetypischen Darstellungen moderner Menschen richten sich jedoch direkt an den Betrachter und werfen diverse Fragen und Vorstellungen über das Menschsein auf. Seit den 1990er-Jahren bevölkern auch Tiere und Hybriden Balkenhols künstlerisches Vokabular, in jüngster Zeit auch architektonische Elemente. Die Einfachheit von Balkenhols Skulpturen, die vom Künstler eigenhändig und weitgehend ohne maschinelle Hilfsmittel hergestellt wurden, macht sie für unsere fragmentierte, hochtechnologisierte Welt umso relevanter.

Stephan Balkenhol (born 1957), Untitled, 2002, painted and carved wood, 200 x 200 cm, estimate €60,000 – 90,000
Stephan Balkenhol (born 1957), Untitled, 2002, painted and carved wood, 200 x 200 cm, estimate €60,000 – 90,000

Stephan Balkenhol gehört zu den bekanntesten deutschen Bildhauern der Gegenwart. Er wurde 1957 in Firtzlar geboren und studierte an der Hochschule für bildende Künste Hamburg bei Ulrich Rückriem und Sigmar Polke. Berühmt wurde er für seine totemartigen bemalten Holzskulpturen, die anstelle von Helden und Ikonen gewöhnliche Durchschnittsmenschen abbilden. Seit Mitte der 1980er-Jahre schuf er Arbeiten für den öffentlichen Raum – u. a. in London, Paris, Kassel, Rom, Chicago. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen internationalen Museen ausgestellt. Das Lehmbruck Museum in Duisburg widmet ihm nun, sofern pandemiebedingt möglich, bis 28. Februar 2021 eine großangelegte Werkschau.

Auktion Zeitgenössische Kunst
25. November 2020

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