OBJEKT DES TAGES: Budaer Deckelterrinen

Prunkvolle Rarität

Die zwei sehr seltenen großen klassizistischen Deckelterrinen aus der Zeit um 1800 zeigen die typischen Merkmale des Klassizismus: Hohe Eleganz, klare Linien, von der griechisch-römischen Antike inspiriertes umlaufendes stilisiertes Blattdekor. Die vier Füße zieren Maskaronen, die astförmigen Doppelhenkel enden in Lorbeerblättern. Kunstvoll sind die Steckdeckel als Blumenkohl und als geöffneter Kohlkopf plastisch gestaltet. Beeindruckend präsentieren sich die beiden Deckelterrinen auch in Gewicht und Größe.

Die hervorragenden Arbeiten  stammen aus der Werkstatt des bekannten ungarischen Meisters Wenzel Joseph Gretschl aus Buda (Ofen). Der 1749 geborene Gretschl wurde in Wien von Franz Lintzberger ausgebildet. 1795 legte er in Ofen seine Meisterprüfung ab und war dort bis zu seinem Tod 1821 als Goldschmiedemeister tätig, zu seinen Schülern zählt auch sein Sohn Joseph Karl, der später die Werkstatt des Vaters übernahm. Das Meisterzeichen WG und das Beschauzeichen der Stadt Ofen finden sich mehrfach auf den Gefäßen.

Zwei klassizistische Budaer Deckelterrinen mit Untersatz, silber, oval, graviertes Monogramm mit Adelsrangkrone, 46 x 36,5 cm, Höhe 37 cm, Gewicht 9313 g, Meisterzeichen WG = Wenzel Gretschl, Beschauzeichen Buda (Ofen), um 1800, Schätzwert € 60.000 - 80.000
Zwei klassizistische Budaer Deckelterrinen mit Untersatz, silber, oval, graviertes Monogramm mit Adelsrangkrone, 46 x 36,5 cm, Höhe 37 cm, Gewicht 9313 g, Meisterzeichen WG = Wenzel Gretschl, Beschauzeichen Buda (Ofen), um 1800, Schätzwert € 60.000 - 80.000
Zwei klassizistische Budaer Deckelterrinen mit Untersatz, silber, oval, graviertes Monogramm mit Adelsrangkrone, 46 x 36,5 cm, Höhe 37 cm, Gewicht 9313 g, Meisterzeichen WG = Wenzel Gretschl, Beschauzeichen Buda (Ofen), um 1800, Schätzwert € 60.000 - 80.000

Zwei klassizistische Budaer Deckelterrinen mit Untersatz, silber, oval, graviertes Monogramm mit Adelsrangkrone, 46 x 36,5 cm, Höhe 37 cm, Gewicht 9313 g, Meisterzeichen WG = Wenzel Gretschl, Beschauzeichen Buda (Ofen), um 1800, Schätzwert € 60.000 – 80.000

Bei den Deckelterrinen  handelt es sich um besonders seltene Stücke.  Die meisten großen Silberobjekte aus dieser Zeit sind nämlich  nicht mehr erhalten sondern wurden eingeschmolzen.
Ursache dafür war der große Staatsbankrott 1811.  Die österreichischen Staatfinanzen waren als Folge der napoleonischen Kriege schwer zerrüttet. Im Frieden von Schönbrunn hatte sich Österreich zur Zahlung von 85 Millionen Franc an Frankreich verpflichtet, davor war die Staatsverschuldung aufgrund der hohen Kosten für die Kriegsführung  bereits dramatisch gestiegen gewesen. Am 20. Februar war die Regierung offiziell zahlungsunfähig. Papiergeld musste gegen einen Abschlag von 80 % gegen neue Banknoten umgetauscht werden, der Wert von Kupfermünzen wurde auf ein Fünftel herabgesetzt. Große Silberstücke wurden mit sehr hohen Steuern versehen, was viele Besitzer veranlasste, das wertvolle Silbergerät der Schmelze zu übergeben.

Es ist daher ein glücklicher Umstand, dass sich diese prachtvollen Deckelterrinen erhalten haben.

Auktion Silber und Russisches Silber
9. Dezember 2020, 14 Uhr
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