Ausstellung: Die Ephrussis. Eine Zeitreise.

DIE FAMILIE EPHRUSSI ALS KUNSTSAMMLER

Im Mittelpunkt der aktuellen Ausstellung im Jüdischen Museum Wien stehen das Familienarchiv der Ephrussis und deren Sammlung von 157 Netsukes, japanischen Schnitzereien. Die Geschichte der Familie erlangte durch den Roman „Der Hase mit den Bernsteinaugen“ von Edmund de Waal weltweite Berühmtheit.

Köln, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, WRM, Gemäldesammlung, Manet, Edouard, Spargelstilleben / Spargelbündel, Inv.-Nr. Dep. 0318, Datierung: 1880, Tafelmalerei, Öl, Leinwand, 1880, 46 x 55 cm

Auf den Spuren von Edmund de Waals Bestseller „Der Hase mit den Bernsteinaugen“ findet im Jüdischen Museum Wien eine Ausstellung über die Ephrussis statt. Die Familie, die mit Getreidehandel und Bankgeschäften reich geworden war, zog um die Mitte des 19. Jahrhunderts aus Odessa nach Wien, wo sie bald zum innersten Kreis des Wiener Großbürgertums gehörte. Mit dem Bau des Palais Ephrussi an der Ringstraße durch den Architekten Theophil Hansen schrieb sie sich in die Stadtgeschichte ein. Den Maler Christoph Griepenkerl beauftragte Bauherr Ignaz Ephrussi mit der Ausstattung der Decken­- und Wandgemälde in den Prunkräumen der Beletage. Im Lauf der Jahre erwarb Ignaz Ephrussi eine kleine Kunstsammlung, die seinen sehr persönlichen Geschmack widerspiegelte. So kaufte er 1893 gleich vier Bilder des niederländisch ­jüdischen Malers Jozef Israels, der damals in Wien kaum bekannt war. Als bedeutender Kunsthistoriker und Sammler gilt sein Neffe Charles Ephrussi. Er gab in Paris die renommierte Kunstzeitschrift „Gazette aux Beaux Arts“ heraus und tat sich als einer der frühen Förderer der Impressionisten hervor. Überliefert ist die Anekdote einer Begebenheit, die sich zwischen ihm und Éduard Manet zugetragen haben soll: Ephrussi erwarb von Manet 1880 das Stillleben „Spargelbündel“ um 1.000 Francs. Das war mehr, als der Künstler erwartet hatte. Als Zeichen der Dankbarkeit sandte er Ephrussi im April 1882 ein kleines Bild mit einem einzelnen Spargel und der Botschaft: „Aus dem Bund hat einer gefehlt.“

Viele der Kunstwerke, die ursprünglich der Familie Ephrussi gehörten, befinden sich heute in internationalen Museen und privaten Sammlungen. In der Ausstellung im Jüdischen Museum wird auch der Geschichte nach 1938 breiter Raum gewidmet: dem Raub des Vermögens der Ephrussis durch die Nationalsozialisten und der Vertreibung der Familie aus Wien; den Stationen im Exil und dem Bemühen der Familie um Restitution. Die Verfahren ziehen sich zum Teil bis heute hin.

Kernstück der Ausstellung bilden das Familienarchiv der Ephrussis, das die Familie de Waal dem Jüdischen Museum schenkte, und 157 Netsukes, die sie dem Museum als Leihgabe zur Verfügung stellte.

Wie bei vielen anderen waren auch bei Charles Ephrussi durch die Pariser Weltausstellung 1867 die Liebe für japanische Kunst und seine Sammelleidenschaft geweckt worden. Die Weltausstellung in Wien 1873 hatte den Beginn eines kulturellen und wirtschaftlichen Austauschs zwischen Japan und den europäischen Ländern, somit auch mit Österreich, markiert. Die große Japan­-Sammlung von Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-­Este befindet sich heute im Weltmuseum Wien; die bürgerlichen und oberen Schichten taten es ihm gleich. Bis heute sind japanische Kunst und Kunsthandwerk ein spannendes Sammelgebiet.

Gabriele Kohlbauer­-Fritz ist Sammlungsleiterin und Kuratorin des Jüdischen Museum Wien. Regina Herbst ist Expertin für Asiatische Kunst im Dorotheum.

INFORMATIONEN: 

DIE EPHRUSSIS. EINE ZEITREISE
Ausstellungsdauer: 6. November 2019 – 8. März 2020
Ausstellungsort: Jüdisches Museum Wien, Dorotheergasse 11, 1010 Wien
www.jmw.at

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