Auktion: Klassische Fahrzeuge auf der Classic Expo

DER GLANZ ALTER TAGE

Drei Brüder, ein Financier, ein Pioniergeist im ausklingenden 19. Jahrhundert: Das sind die Automobilbauer Gräf & Stift aus Wien. Ein VK 7/20 PS wird bei der Dorotheum-Auktion am 19. Oktober 2019 im Rahmen der Classic Expo in Salzburg versteigert. Er ist einer der letzten Überlebenden dieses 1920 gebauten Mittelklassewagens.

1922 Gräf & Stift VK 7/20 PS Schätzwert € 70.000 – 100.000

Die Automobile von damals erzählen Geschichten – ihre eigenen, die ihrer Zeit, ihrer Fahrer und Erbauer. Letztere beginnt bei diesem vom Dorotheum angebotenen Wagen im ausklingenden 19. Jahrhundert. Getrieben vom damaligen Zeit- und Pioniergeist, präsentieren drei Wiener Brüder, Franz, Heinrich und Carl Gräf, 1897 ihre erste pferdelose Kutsche. Die Pferdestärken kommen nun aus einem wassergekühlten Vierzylindermotor, „State of the art“ würde man heute wohl sagen. Mit dem weltweit ersten Vorderradantrieb beweist man im Jahr darauf abermals großes Können. 1901 findet sich mit Wilhelm Stift ein Financier und Gönner. „Gräf & Stift“ nennen sich die Automobile von nun an; ihr Markenzeichen: ein Löwe, ihre Heimat: Wien-Döbling.

Als Vorreiter in Sachen Technik zählt man von Anfang an zur Oberklasse. Wobei sich in jenen Tagen noch kaum einer diesen Luxus leisten kann. Man motorisiert das Kaiserhaus, den Wiener Bürgermeister, eben die oberste Klasse. Und zu der gehören ganz wenige.

Dann, am 28. Juni 1914, ist ein Gräf & Stift erster Zeuge, als das große Unheil seinen Lauf nimmt. Das Thronfolgerpaar, Erzherzog Franz Ferdinand und seine Sophie, stirbt in Graf Harrachs Wagen. In Döbling wird nun Kriegsgerät gebaut, vornehmlich Lastwagen und Busse. Erst 1920 widmet man sich wieder der zivilen Fortbewegung und präsentiert erstmals einen Wagen für die Mittelklasse, den VK 7/20 PS.

In zeitgenössischer Werbung wird man nicht müde zu betonen, dass der „kleine Stadtwagen“ um nichts schlechter sei als seine luxuriösen Ahnen, nur eben ein wenig kleiner. Schon im Jahr darauf schöpft Gräf & Stift wieder aus dem Vollen und kehrt zu seinen Wurzeln – in die Luxusklasse – zurück.

Einer der letzten überlebenden VK kommt nun zur Auktion. Seine Geschichte beginnt 1922, zunächst bleibt er im hauseigenen Fuhrpark. Waren die VK in der Regel Phaetons, also viertürige, mehrsitzige Cabriolets, so besitzt dieses Exemplar einen abnehmbaren Aufbau für die Herrschaften im Fond. Trennscheibe und Gegensprechanlage zeugen vom Betrieb durch Chauffeurshand. 1924 wechselt er in die Dienste der Wiener Fabrik der Gebrüder Stollwerck AG. Fünf Jahre später übernimmt deren Geschäftsführer Alexander Russbacher den Gräf & Stift, um ihn nach nur zwei Jahren an Frau Olga Russbacher zu vererben. Der VK überlebt Krieg und Besitzerin und kommt Ende der 60er in neue Hände.

Ein junger Ingenieur schickt sich an, dem ehrwürdigen Wagen wieder den Glanz alter Tage zu verleihen. Kiloweise Rechnungen und Korrespondenz zeugen penibel von Herzblut und monetärem Schmerz. Trotz zahlreicher Rückschläge bringt er den Gräf & Stift auf die Straße und erhält ihn so für die Nachwelt, mitsamt all seinen Papieren und all seinen Geschichten, vom ersten bis zum heutigen Tag.

INFORMATIONEN zur AUKTION

Auktionsdatum: Samstag, 19. Oktober 2019, 16.00 Uhr

Auktionsort: Classic Expo Salzburg, Messezentrum Halle 9

Besichtigung:
Freitag, 18. Oktober 2019, 9.00 Uhr – 18.00 Uhr
Samstag, 19, Oktober 2019, 9.00 Uhr bis Auktionsbeginn

Informationen: Wolfgang Humer ist Experte für Klassische Fahrzeuge im Dorotheum

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