Classic Week: Flower-Power bei der Juwelen Auktion

LIKE A ROLLING STONE

1: Van Cleef & Arpels Brillant Farbstein Garnitur, Arbeit um 1966, € 30.000 – 50.000

Funkig, funkelnd, farbenfroh: Die Schmuckkreationen der 1960er-Jahre sind von Vielfalt und Innovation geprägt, Flower-Power pur. Astrid Fialka-Herics, Expertin für Juwelen und Leiterin der Sparte Schmuck und Uhren im Dorotheum, gibt Einblicke in diese bewegte Epoche der Juwelierskunst.

Lieben Sie Brahms oder bevorzugen Sie Woodstock? Lieber große Abendrobe oder doch knapper Minirock? Nouvelle Vague oder Italo-Western? Die 1960er-Jahre sind geprägt von Gegensätzen – auch in der Verarbeitung und Erzeugung
von Schmuck.

2: Friedrich Becker, kinetischer Zweifingerbrillantring, erzielter Preis € 18.750

Der kühle Glanz von Platin und Weißgold bleibt der Haute Joaillerie als Begleitung für prächtige Roben vorbehalten. Doch der warme Schimmer von Gelbgold, der an unbeschwerte Sommertage am Strand erinnert, entspricht mehr der Flower- Power-Idee der 1960er-Jahre. So entwerfen Designer mehr und mehr Juwelen in Gelbgold – ob für den Tag oder für festliche Abendentwürfe.

3: Buccellati Kulturperlengarnitur, Arbeit Ende 1960, erzielter Preis € 30.000

Auch die strenge Trennung zwischen edlem Echten und „Bling-Bling“ verschwindet. Bei der Wahl der Materialien entwickelt sich ein nahezu selbstverständlicher Mix. Getragen wird, was gefällt, wobei es nicht auffallend und kontrastreich genug sein kann! Die Stilikone Jaqueline Kennedy-Onassis versteht diesen Spirit wie keine Zweite perfekt umzusetzen: Ihre Modeschmuck-Collection ist mindestens genauso beachtenswert wie ihre Juwelen. Unverzichtbares Must-have sind dabei Perlen, ob nun als Kette oder in Ergänzung zu bunten Farbsteinen: Ohne Perlen geht in den 60ern rein gar nichts! (3)

4: Schlumberger for Tiffany & Co., Armreif, erzielter Preis € 16.250

Teil des viel kopierten „Jackie-Styles“ sind auch die von Jean Schlumberger für Tiffany entworfenen Croisillons Bracelets, die sie in mehreren Farben besitzt und unterschiedlich kombiniert. (4) Heute nennt man sie schlicht „Jackie-Bracelets“.

Einen nahezu spielerischen Umgang mit Farben ermöglicht die Verzierung der Schmuckstücke mit Email. In den USA setzt David Webb Email vor allem für die Umsetzung von Tiermotiven ein. (7) Diesen Trend greift in Europa Bulgari mit der Serie Serpenti auf. (8) Das italienische Traditionsunternehmen setzt seit Jahren auf das antike Sujet Schlange, das sich mittlerweile zu einer Art Neo-Logo des Hauses entwickelt hat.

5: Van Cleef & Arpels, Brosche Lion ébouriffé, erzielter Preis € 7.500

Van Cleef & Arpels schafft mit der „serie boutique“ ausdrucksstarke Tierbroschen, die frech und lustig die Trägerin zum Schmunzeln bringen. Diese Wirkung haben sie bis heute nicht eingebüßt und erzielen bei Auktionen Spitzenpreise. (5)

6: Van Cleef & Arpels, Brillant-Türkis-Collier, erzielter Preis € 92.500

Für den Abend fertigt das Haus opulente farbenprächtige Kreationen. Dabei steht die Wertigkeit der verarbeiteten Steine nicht so sehr im Vordergrund wie das handwerkliche Geschick bei der Umsetzung des Entwurfes und die Akzentuierung durch die Verwendung farbintensiver Steine. (6)

Mit dem Auftrag, eine Krone für Kaiserin Farah Diba von Persien anzufertigen, fließen orientalische Stilmerkmale in die Entwürfe des Hauses Van Cleef & Arpels ein. Sie werden auch von anderen internationalen Häusern aufgegriffen.

7: David Webb, Damenschmuckgarnitur Panda, erzielter Preis € 21.000

Verschiedenste Steine werden in unterschiedlichen Schliffformen in einem einzigen Juwel verarbeitet und schaffen so ein buntes, abwechslungsreiches Bild. (1)

Die vielfältigen Tragemöglichkeiten einzelner Juwelen als Broschen, Armbänder oder Colliers ermöglichen es der Trägerin, oft opulente Parüren in lässige Accessoires für den Tag zu verwandeln.

8: Bulgari Serpenti, Damenschmuckgarnitur, erzielter Preis € 102.500

Einen weiteren, international viel beachteten Schritt in der Verbindung unterschiedlicher Materialien setzt der deutsche Flugzeugbauer, Maschinenschlosser und Goldschmied Friedrich Becker mit dem von ihm entwickelten „kinetischen Schmuck“: Scheinbar befreit von der Schwerkraft bewegen sich seine Schmuckstücke fließend mit jeder Bewegung des Trägers. Stahl als Grundmaterial, kombiniert mit synthetischen Materialien, findet ebenso Verwendung wie Gold und hochwertige Edelsteine. (2)

So spiegeln die unterschiedlichen Zugänge zum Thema Schmuck den Zeitgeist der 1960er wider: Alles ist möglich, und getragen wird, was gefällt. Like a rolling stone!

INFORMATIONEN zur AUKTION

Auktionsdatum: Auktion Juwelen, 23. Oktober 2019, 14.00 Uhr

Auktionsort: Palais Dorotheum, Dorotheergasse 17, 1010 Wien

Besichtigung: 4. Oktober 2019 – 23. Oktober 2019

Informationen: Astrid Fialka-Herics ist Expertin für Juwelen, Juristin und gelernte Goldschmiedin

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